Neue Neujahr's Autoren #7 - Jonathan Löffelbein

Hallo liebe Leser! Die Aktion neigt sich dem Ende zu und heute habe ich wieder ein Interview für euch! Dieses Mal mit Jonathan! Vielleicht kennt ihr ihn noch aus früheren Posts :)
Ich habe ihn mal wieder verpflichtet mitzumachen und deshalb viel Spaß beim Lesen!!


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Wann hast du angefangen zu schreiben?  

Plus Minus mit 16 Jahren. Und das, wie es sich für die Generation Y (oder wie auch immer man das nennt) gehört, aus Langeweile. Ich war schon früh vom Theater und den Geschichten, die auf Bühnen erzählt werden, begeistert. Als ich eine langwierige Verletzung hatte, die mir jegliches herumstreunen und -springen unmöglich machte und das Internet mir nach Wochen langweilig erschien, versuchte ich selbst solche Geschichten erschaffen.

 Was begeistert dich am Schreiben? 


Für mich persönlich sind das drei Aspekte. Erstens das Erschaffen einer eigenen kleinen Welt mit eigenen kleinen Menschen und eigenen kleinen Gesetzen. Da lässt sich der eigene Gotteskomplex schön ausleben. Zweitens das Experimentieren. Für mich sind Geschichten letztendlich Gedankenexperimente: Man stellt seine Parameter wie Charaktere und Umwelt auf und schaut, was geschieht. Oder man weiß, wie alles enden soll und versucht herauszufinden, was passieren muss, damit aus A plötzlich B wird.  Drittens ist es die persönliche Auseinandersetzung mit Themen, die einen beschäftigen, seien die nun rein individuell oder gesellschaftlich.

 Gibt es einen Lieblingssatz den du geschrieben hast? Und warum gefällt er dir so gut?

Dreist wie ich bin verweise ich da auf den ersten Satz meines Buches “Besucher”, der mir in der Tat sehr gut gefällt. “Es war ein friedlicher Morgen, als Thomas beschloss sich umzubringen.” Mir gefällt daran die Spannung zwischen dem friedlichen Morgen und dem geplanten Suizid (außerdem wird die Opposition von Morgen und Selbstmord durch die Vokale betont, die sich wie an einer Spiegelachse gegenüberstehen: i - o - o - o - i; Gott, ich klinge wie ein Germanist… Aber was soll man denn machen, wenn man das auch studiert?) Dadurch werden gleich mehrere Fragen eröffnet. Warum will sich Thomas umbringen? Welche Erzählperspektive impliziert dieser Satz, wenn es ein friedlicher Morgen ist, aber Thomas beschließt sich umzubringen? Gibt es eine Kausalität zwischen dem friedlichem Morgen und dem Selbstmordplan? Etc. 

Sein erstes Buch veröffentlichen - was ist das für ein Gefühl? Ging irgendwas schief oder lief alles "normal"?

Das ist natürlich ein völlig abgefahrenes Gefühl. Man sieht seinen Namen auf den Buchdeckel gedruckt und denkt sich: Ja, Shit! Und dann hofft man natürlich, dass es auch ein paar Leuten gefällt. Es ist auf jeden Fall ein Traum in Erfüllung gegangen. Trotzdem gab es natürlich Schwierigkeiten. Allein die Verlagssuche ist ja so ziemlich immer scheiße. Die meisten Verlage schreiben nichts zurück oder meinen, was man schreibt ist nichts Neues, oder sie finden es sehr gut, trauen sich aber nicht einen Debütroman zu veröffentlichen (alles Rückmeldungen die ich so auch bekommen habe). Als ich dann die Zusage vom kladdebuchverlag hatte, war aber natürlich auch nicht alles so einfach. Da sich der Verlag über Crowdfunding finanziert, hatte ich plötzlich zwei Monate einen neuen Vollzeitjob: das Geld für die Druckkosten zu sammeln. Das war alles ziemlich aufreiben und anstrengend, hat ja aber zum Glück funktioniert. In diesen zwei Monaten litt die Uni und alles andere sehr stark.


 Wie würdest du deinen Schreibstil/ dein Genre beschreiben? Gibt es ein Lieblingsgenre für dich (Thriller, Romantik, Fantasy,…) oder passt du das der jeweiligen Geschichte an?
Das, muss ich zugeben, finde ich schwierig (weil ich auch nicht unbedingt gerne über mein Schreiben rede. Der Pöbel soll das lesen und sich daran erfreuen! Nicht mich danach fragen… Ich weiß es doch auch nicht!). Ich experimentiere gerne was die Schreibstile betrifft, wodurch es eher in Richtung Anpassung zur jeweiligen Geschichte geht. Mal versuche ich Klänge auszuschreiben, mal setze ich auf Schachtelsätze, mal auf sehr reduzierte und einfache Sprache. Was aber alle meine Geschichten verbindet, ist ein gewisser Grad von Phantastik. Das kann bis ins kafkaeske reinreichen, absurder Humor sein oder auch bloß ungewöhnliche Handlungsabläufe. Geschichten sollen besonders und ungewöhnlich sein. Häufig sind es auch sehr kaputte Protagonisten, die mit diesem Phantastischen oder Besonderem konfrontiert werden und sich anhand von abstrusen Szenen dem Abgrund nähern. Trotzdem ist auch immer eine Portion Augenzwinkern dabei.
 Ist Autor/-in dein Berufsziel oder gibt es noch andere Ziele? 

Sollte es tatsächlich klappen, dann: ja. Aaaaaber. Ich bin zu sehr Realist, um zu glauben, dass das funktionieren wird. Außerdem schreibe ich mit meinen Texten nicht unbedingt für die Masse. Auf jeden Fall wird aber weiter geschrieben. Mehrere Standbeine zu haben halte ich für realistisch. Über das Schreiben und  diverse Auftritt (schauspielerischer oder vortragender Natur) Geld zu verdienen, wäre mein Ideal. Schreiben soll auf jeden Fall Teil meines Berufes sein. Obwohl das, wenn ich gerade nochmal darüber nachdenke, auch nicht unbedingt das Realistischste ist. Aber was will man machen... 

Gibt es vielleicht schon einen kleinen Hinweis zu deinem Buch? ;)

Na klar! Man muss ja schreiben. Zur Zeit an mehreren Sachen. Die erste Version des zweiten Buches befindet sich in der Endphase und daneben liegen zwei Dramen, die noch abgeschlossen werden wollen. Nebenher ein wenig Lyrik und Poetry Slam-Texte. Als nächstes wird ein Drama von mir, das auf einem Literaturfestival den zweiten Platz gemacht hat (es heißt “Der letzte Satz”) im kladdebuchverlag erscheinen und auch für das dritte Buch gibt’s schon eine Grundidee. Aber egal, zurück zum zweiten Buch. Was ich verraten will, ist soviel: Es geht um einen Dummschätzer und Taugenichts, der ziellos umherflaniert und schließlich in eine grausige Geschichte verstrickt wird. Arbeitstitel ist momentan “Wanderer”.

 Hast du einen Tipp für alle die auch ein Buch schreiben wollen? Eine Motivation oder sogar eine Warnung ? :D
1) Wer schreiben will, muss lesen. Allein schon von der Machart. Damit man lernt und versteht, wie in Texten Spannung oder Humor erzeugt werden kann.

2) Man braucht vor allem Durchhaltevermögen. Die Geschichte ist schnell im Kopf entstanden. Es braucht aber Fleiß, sich auf den Allerwertesten zu setzen und es einfach zu machen. Am besten sich jeden Tag mindestens eine Stunde nur fürs Schreiben zeitnehmen. Dann kommt man Schritt für Schritt voran.

3) Ein wundervolles Klischee: Wenn einem etwas ein- oder auffällt (eine abgefahrene Person auf der Straße vielleicht), dann sollte man das notieren. Sonst vergisst man das und das ist dann doof.

Und Warnung: Die meisten Leute werden das, was man geschrieben hat, als Autobiographie lesen. Selbst wenn 70% autobiographisch und 30% frei erfunden ist. Oder andersrum. Wie auch immer. Lass die Leute reden.
 


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