Neue Neujahr's Autoren #5 - Juliane Weiß

Heute gibt es noch ein kleines Silvester - Leckerli mit Juliane :)
Vielen Dank schon mal, dass du mitgemacht hast!
Euch viel Spaß und einen guten Rutsch ins neue Jahr! 

(Rutscht nciht aus ;D)

°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
 
Wann hast du angefangen zu schreiben? 
Eigentlich muss man sagen, dass ich angefangen habe zu schreiben, sobald ich überhaupt schreiben konnte. Ich war schon immer sehr ideenreich und habe mir bereits kleine Geschichten ausgedacht, als ich noch gar nicht fähig war diese überhaupt aufzuschreiben. Ich habe schon in der ersten Klasse fleißig Texte verfasst. Sicher haben meine Eltern einen hohen Anteil daran, denn mein Vater hat mir immer viel vorgelesen, als ich noch klein war. So etwas beflügelt die kindliche Fantasie.


 

Was begeistert dich am Schreiben? 
Schreiben erlaubt mir meinem Hirn so richtig freien Lauf zu lassen. Ich bin ein Mensch voll Abenteuerlust und ziemlich emotional, auch wenn ich es nicht unbedingt zeige. Bücher haben die Macht, etwas in uns zu bewegen. So habe ich es auch einem Buch zu verdanken, dass ich ausgerechnet Archäologin geworden bin. Ohne Thor Heyerdahls „Kon-Tiki“ wäre ich vielleicht nie darauf gekommen.
Wenn ich selbst schreibe, kann ich meine Figuren alles erleben lassen, was mir selbst verschlossen bleibt, ebenso gut kann ich aber auch meine eigenen Erlebnisse oder Träume aufarbeiten. Ich liebe es, mich in verschiedenen Genres so richtig auszutoben und es ist ein tolles Gefühl, wenn anderen Leuten gefällt, was man geschrieben hat. „Wann schickst du mir endlich den nächsten Teil? Ich kann es gar nicht erwarten weiterzulesen!“, ist die beste Antwort, die man als Autor kriegen kann, wenn man seinen Text stückchenweise an Bekannte zum Probelesen schickt. Da hüpft das Herz vor Freude!



Gibt es einen Lieblingssatz den du geschrieben hast? Und warum gefällt er dir so gut?


Ein Lieblingssatz? Oh, das ist schwer! Wenn ich mich wirklich entscheiden muss, dann ist das dieser hier:

„Die leeren Seiten eines neuen Notizbuches sind wie eine Verheißung auf den unendlichen Reichtum der Fantasie; sie locken den getriebenen Geist des Kreativen sich ihnen anzuvertrauen und versprechen alles nur Erdenkliche bereitwillig anzunehmen, das seine Feder niederzuschreiben wagt.“


Das ist der erste Satz eines der beiden Bücher, die ich gerade schreibe. Er gefällt mir deshalb so gut, weil er genau das beschreibt, was ich selbst fühle, wenn ich ein leeres Notizbuch in den Händen halte. Das ist dann so ein euphorisches Gefühl, diese unendlichen Möglichkeiten, was man da alles hineinschreiben kann! Wahrscheinlich kann ich deshalb an keiner Papeterie vorbeigehen, ohne ein neues Notizbuch zu kaufen. Ich schreibe immer erst einmal in ein Büchlein, bevor der Laptop drankommt. Denn im Laptop kann man alles sofort wieder löschen, wenn es einem nicht gefällt. Ein Notizbuch ist völlig ruiniert, wenn man alles wild wieder ausstreicht oder Seiten herausreißt. Man muss sich also wirklich Gedanken machen, was man eigentlich hineinschreiben will. Daher sind die Texte, die ich vorher in einem Notizbuch hatte, grundsätzlich ausgereifter am Ende als die, die ich nur mal schnell am Computer getippt habe.




Du schreibst gerade ein Buch – was sit das für ein Gefühl? Zu wissen, dass es etwas Größeres wird als nur eine kleine Geschichte?

Es ist ein tolles Gefühl, aber auch ein beängstigendes. Man schwankt ständig zwischen: „Wahnsinn, ist das toll! Das habe alles ich geschrieben!“ und „Oh Gott, was tue ich mir da nur an?“. Eine kleine Geschichte ist nach ein paar Seiten abgeschlossen, aber ein Buch, das lässt dich nicht mehr los. Das entwickelt irgendwann ein Eigenleben. Da wacht man nachts um 3 Uhr auf mit einer Idee, die unbedingt da rein muss. Ich habe immer ein Notizbuch neben dem Bett und eines in der Tasche, die ich jeden Tag mit mir herumschleppe. Sobald eine Eingebung da ist, muss ich sie festhalten. Das kann ganz schön anstrengend sein. Aber es ist ein unglaubliches Glücksgefühl, wenn man dann liest, was man alles schon geschafft hat.



Wie würdest du deinen Schreibstil/ dein Genre beschreiben? Gibt es ein Lieblingsgenre für dich (Thriller, Romantik, Fantasy,…) oder passt du das der jeweiligen Geschichte an?
 Um ehrlich zu sein, kann ich kein bevorzugtes Genre nennen. Ich bin einfach zu vielseitig. Aktuell schreibe ich zwei Bücher gleichzeitig, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Das erste Buch ist so eine Art Mischung aus Historischem Roman, Science-Fiction und Fantasy. Das zweite ist eine lockere, fröhliche Liebesgeschichte, um die mich eine Freundin gebeten hat. Eigentlich ist das Letztere nicht ganz so mein Genre, ich bevorzuge dann doch eher kompliziertere Geschichten, die zum Nachdenken anregen. Aber Spaß macht es trotzdem, denn es erweitert meinen Horizont. Krimikurzgeschichten gehören ebenso zu meinem Repertoire. Und meine Studienerinnerungen, die ich auf Wunsch meiner Kollegen aufgeschrieben habe, kann man irgendwo zwischen Reisebericht und Satire einordnen. Eigentlich ist mir nur die jeweilige Geschichte selbst wichtig, das Genre ergibt sich dann von ganz alleine.




Ist Autor/-in dein Berufsziel oder gibt es noch andere Ziele? 
Ich wollte schon immer Archäologin werden, das Schreiben hat dabei trotzdem stets irgendwie zu mir gehört. Autor ist ein tolles Berufsziel, es ist aber auch etwas, wovon man bei großer Konkurrenz nicht unbedingt leben kann. Viele Autoren haben einen zweiten Job und ich kenne viele Archäologen, die unter einem Pseudonym große Schriftsteller geworden sind, Elisabeth Peters zum Beispiel, um nur eines meiner Vorbilder zu nennen. Die heißt eigentlich Barbara Mertz und hat Ägyptologie studiert. Trotzdem sie einige Fachbücher geschrieben hat, ist sie doch für ihre Krimis viel bekannter. Archäologen und Schriftsteller sind gleichermaßen auf der Suche nach dem zutiefst Menschlichen, beide loten alle Abgründe des Mensch-Seins aus, das ergänzt sich also wunderbar.
Ja, ich würde gern einfach nur vom Schreiben leben. Bis es dafür reicht, verbringe ich meine Sommer weiterhin bis zu den Knien im Dreck auf der Suche nach Knochen und Steinen und sammle interessante Erfahrungen. Wenn ich auf meine Studienzeit zurückblicke, ist jedenfalls genug Potenzial da für eine ganze Reihe an amüsanten Geschichten, von griechischen Göttern im Getränkemarkt bis hin zum versehentlichen Picknick im sowjetischen Minenfeld.
 
 Gibt es vielleicht schon einen kleinen Hinweis zu deinem Buch? ;)
 Ein Hinweis? Ah, Titel wähle ich immer erst aus, wenn ich einen Text wirklich fertig habe. Also kann ich in diese Richtung noch nichts sagen. Aber wenn ich mich an Klappentexten für meine zwei aktuellen Bücher versuchen müsste, sähen die vielleicht so aus:
Der Liebesroman:

„Schamlos ausgenutzt und betrogen zu werden stinkt Ida. Und zwar noch viel mehr als die Lachsforelle, die sie wutschäumend zur Untermalung ihrer Kündigung auf den Tisch ihrer Chefin knallt. Der fischige Vorfall hat Konsequenzen, nicht nur, dass sie eine Anzeige kassiert. Die wissenschaftliche Karriere kann sie sich jetzt auch abschminken. Doch was macht eine arbeitslose Akademikerin in so einer Situation? Erst einmal Whiskey kaufen! Angetrunken in einer Fachzeitschrift für Segelbedarf blätternd kommt Ida auf die Schnapsidee, ein Praktikum bei einem dänischen Bootsbauer machen zu wollen. Den wortkargen Handwerksmeister Tygge, der in seiner wild zusammengewürfelten Werkstatt mit Dackel Fredag wie Robinson auf seiner Insel haust, versetzt diese Aussicht in blanke Panik. Eine Frau in einer Bootsbauerwerkstatt? Das kann nur Unglück bringen! Doch Ida lässt sich einfach nicht abwimmeln. So muss Tygge sie wohl oder übel in seinem Reich aus frischem Bootslack und modrigen Schiffsrümpfen willkommen heißen. Gerade als der ernste Däne ein bisschen anfängt aufzutauen, steht sein älterer Bruder Niels in der Werkstatt. Der gutaussehende, fröhliche Niels ist das komplette Gegenteil vom einsilbigen Tygge und Ida ist sofort verknallt in ihn. Mit dem attraktiven Businessman an ihrer Seite kann doch noch alles gut werden! Oder?“



Und die bunte Mischung aus Historischem Roman, Science Fiction und Fantasy umschreibe ich mal so:

„1882: Alfred, Ziehsohn des örtlichen Dorfpfarrers, will unbedingt Schriftsteller werden. Als eine Schreibblockade ihn quält, wandert er hinaus in den Wald auf der Suche nach Inspiration. Dort trifft er einen furchterregenden Fremden, der ihm die beste Geschichte verspricht, die er sich jemals wünschen kann. Die Begegnung hat den jungen Mann zutiefst verstört, er flieht, doch die Angelegenheit holt ihn bald wieder ein. Die Versuchung, die von diesem Angebot ausgeht, ist einfach zu groß. Nach und nach erfährt Alfred die erschütternde Lebensgeschichte eines ungarischen Alchemisten, den die erste große Pestwelle 1348 in Nürnberg ins Verderben gestürzt hat.
Doch warum gibt ihm der Fremde eigentlich immer nur minimale Hinweise? Was soll diese Schnitzeljagd? Was nützt es dem finsteren Mann überhaupt, wenn Alfred die Geschichte aufschreibt? Hin- und hergerissen zwischen spontaner Sympathie und ängstlichem Zweifel dem Fremden gegenüber beginnt sich Alfred zu fragen, ob er sich am Ende nicht gar auf einen Pakt mit dem Teufel eingelassen hat.“




Hast du einen Tipp für alle die auch ein Buch schreiben wollen? Eine Motivation oder sogar eine Warnung ? :D
 Ein Buch schreibt sich nicht an einem Tag und es gibt Tage, da geht einfach gar nichts. Da starrt man nur auf das Blatt oder den Bildschirm und weiß nicht weiter. Dann sollte man unbedingt rausgehen und etwas Anderes machen. Auch wenn euch das wie Zeitverschwendung vorkommt, das kann viel neue Inspiration bringen.

Schafft euch eine ruhige, angenehme Atmosphäre zum Schreiben. Es gibt nicht DEN perfekten Ort, der für alle gilt. Manche schreiben am besten auf dem Sofa, andere in einem Café, während sie ein Stück Torte nach dem anderen essen. Wieder andere sind super inspiriert beim Bahnfahren oder auf einer stillen Bank mitten im Wald. Findet den richtigen Ort für euch!

Und findet auch die richtige Zeit! Es bringt gar nichts, morgens um 7 Uhr aufzustehen und zu sagen: „So, jetzt schreibe ich 10 Seiten.“ Das klappt NIE. Jeder Mensch hat seine eigene Hauptaktivitätsphase. Manche sind morgens um 7 Uhr topfit, andere (wie auch ich) drehen abends erst richtig auf. Und unter Zwang geht erst recht nichts.
Wenn ihr euch selbst wohlfühlt, Zeit und Ruhe zum Schreiben habt, dann klappt’s auch mit dem Buch. Und wenn die Motivation mal im Keller ist, denkt immer daran, auch große Schriftsteller, die jeder kennt, hatten ihre Schreibblockaden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen